{"id":6010,"date":"2020-04-27T12:06:48","date_gmt":"2020-04-27T10:06:48","guid":{"rendered":"https:\/\/kbs-wiesbaden.de\/cms\/?p=6010"},"modified":"2020-04-29T09:46:48","modified_gmt":"2020-04-29T07:46:48","slug":"maerchen-prinzessin-hilda-und-das-wunderei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kbs-wiesbaden.de\/cms\/?p=6010","title":{"rendered":"Ein M\u00e4rchen von der Sauerl\u00e4nder M\u00e4rchenerz\u00e4hlerin Frau M\u00fcller: &#8222;Prinzessin Hilda und das Wunderei&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Frau M\u00fcller ist M\u00e4rchenerz\u00e4hlerin und lebt im Sauerland. Sie hat sich f\u00fcr ihre Enkelkinder ein M\u00e4rchen ausgedacht, weil sie diese nicht treffen darf- wie viele von euch auch auch nicht die Gro\u00dfeltern treffen k\u00f6nnen. Sie gr\u00fc\u00dft auch euch lieber Sauerl\u00e4nder Kinder damit ganz herzlich. Viel Spa\u00df damit!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es lebte einmal ein Bauer, der hie\u00df Frieder. Er hatte einen H\u00fchnerhof mit \u00fcber 100 H\u00fchnern, die legten die besten Eier weit und breit. Wei\u00df wie Schnee waren sie, ihre Dotter orange-gelb, und sie schmeckten so k\u00f6stlich, dass die Leute von weit her gereist kamen, um sie zu kaufen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die gr\u00f6\u00dften Eier aber legte die Henne Elsa. Das waren wahre Wundereier, ihre Schalen schimmerten golden, und sie schmeckten so k\u00f6stlich, dass alle, die sie verzehrten, sogleich fr\u00f6hlich wurden und lachten und sangen, auch wenn sie vorher traurig, voller Sorgen oder schlecht gelaunt waren. Und mehr noch, sie steckten alle Menschen, die ihnen begegneten, mit ihrer Fr\u00f6hlichkeit an, so dass diese auch nicht anders konnten, als selber zu lachen und vergn\u00fcgt zu sein, und so herrschte von morgens bis abends eitel Gl\u00fcck und Zufriedenheit im ganzen Haus. Leider aber legte Elsa nur alle drei Tage ein Ei, darum waren ihre Eier auch sehr wertvoll und der Bauer lie\u00df sie sich so teuer bezahlen, dass sie sich nur wenige Menschen leisten konnten.<br>Nun stand auf einem Berg hinter dem Bauernhof von Bauer Frieder ein K\u00f6nigsschloss, und der K\u00f6nig und die K\u00f6nigin, die dort regierten, hatten eine Tochter, Prinzessin Hilda, die war acht Jahre alt. Hilda hatte von ihren Eltern zu Weihnachten einen goldenen Ring geschenkt bekommen, der mit winzigen bunten Glitzerperlen besetzt war. Eines Tages aber war ihr Ring weg. Sie hatte ihn verloren. Sie suchte und suchte, und alle, die im Schloss wohnten, suchten mit, aber der Ring war einfach nicht zu finden. Seither war Hilda traurig, so traurig, dass nichts und niemand sie aufheitern konnte. Tr\u00e4llerte ihre Mutter ein fr\u00f6hliches Lied vor sich hin, so sagte sie: \u201eH\u00f6r auf, Mama, ich mag das nicht.\u201c Wollte ihr Vater sie necken und mit ihr Spa\u00df machen, dann sagte sie: \u201eSei nicht so albern, Papa.\u201c Kein Essen schmeckte ihr, nicht einmal Schokolade, und alle Diener gingen ihr aus dem Weg, weil sie immer unfreundlich und missmutig war. Niemandem schenkte sie ein L\u00e4cheln. Keiner konnte es ihr recht machen.<br>Der Winter verging, es wurde Fr\u00fchling, und das Osterfest stand vor der T\u00fcr. Alle im Schloss freuten sich. Sie bliesen Eier aus, malten sie bunt an und h\u00e4ngten sie an gr\u00fcne Zweige, die sie in gro\u00dfen Vasen im Schloss verteilten. Sie bastelten kleine H\u00e4schen und K\u00fcken aus Pappe oder Ton und bemalten sogar die Fenster im Schloss. Am Ende war alles geschm\u00fcckt, und die Bewohner im Schloss warteten voller Freude auf Ostern, nur Prinzessin Hilda nicht. Sie hatte nichts gemalt und nichts gebastelt. Die ganze Zeit \u00fcber war sie mit langem Gesicht im Schloss herumspaziert: \u201eWas macht ihr euch solche M\u00fche?\u201c, fragte sie. \u201eOstern ist bald vorbei, und dann m\u00fcsst ihr sowieso alles weggr\u00e4umen.\u201c Aber es gelang ihr nicht, den Dienern die gute Laune zu verderben.<br>Am Samstag vor Ostern gab es in der Schlossk\u00fcche besonders viel zu tun. Der Koch und die K\u00fcchenm\u00e4dchen und -jungen backten und kochten und bereiteten das Osteressen f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag vor. Sp\u00e4t abends beschloss der K\u00fcchenjunge Jan nach all der Arbeit sich zu entspannen und ein wenig im Schlossgarten spazierenzugehen. Die Bl\u00fcten dufteten, die V\u00f6gel sangen ihr Abendlied und die Sonne schickte ihre letzten Strahlen. Da huschte pl\u00f6tzlich etwas in Windeseile an Jan vorbei. Es war grau, hatte lange Ohren, ein Stummelschw\u00e4nzchen, einen wei\u00dfen Po, und es trug etwas in seinem M\u00e4ulchen. Es war ein kleines H\u00e4schen. Der Junge folgte ihm und sah gerade noch, wie es in seine H\u00f6hle schl\u00fcpfte.<br>Leise schlich er hinterher und schaute herein. Da sa\u00df doch eine ganze Hasenfamilie &#8211; Mama, Papa und f\u00fcnf kleine Hasenkinder &#8211; um einen kleinen Baumstumpf herum. Bunte Farben, Pinsel und Wasserbeh\u00e4lter standen darauf und ein gro\u00dfer Topf voll mit schneewei\u00dfen Eiern. Das sechste Hasenkind, jenes, das im Garten an Jan vorbeigehuscht war, lie\u00df gerade ein Ei, welches es in seinem M\u00e4ulchen trug, vorsichtig in den Topf gleiten.<br>\u201eIst das etwa ein Ei von der Henne Elsa?\u201c, fragte Papa Hase. \u201eJa\u201c, antwortete Purzel, \u201eich hatte Gl\u00fcck. Sie hat es gerade heute gelegt.\u201c \u201eDas schimmert ja wie Gold\u201c, staunten die anderen Hasenkinder. \u201eEs ist ja auch ein Wunderei\u201c, sagte die Hasenmama. \u201eIch habe geh\u00f6rt, dass alle Eier, die Elsa legt, traurige Menschen fr\u00f6hlich und vergn\u00fcgt machen und sie zum Lachen bringen.\u201c \u201eAber leider legt Elsa nur alle drei Tage solch ein Ei\u201c, meinte der Hasenpapa. \u201eBauer Frieder wird \u00e4rgerlich sein, wenn Elsas Nest leer ist. Es ist sehr wertvoll. Aber weil morgen Ostern ist, d\u00fcrfen wir Osterhasen ja getrost alle Eier, die heute gelegt wurden, holen und sie morgen im Schlossgarten verstecken.\u201c \u201eIch will Elsas Wunderei selber anmalen und verstecken\u201c, sagte Purzel. \u201eSchlie\u00dflich habe ich es ganz allein aus ihrem Nest geholt.\u201c \u201eTu das\u201c, rief der Hasenpapa und klatschte in seine kleinen Pfoten. \u201eUnd nun an die Arbeit! Ich mache drau\u00dfen ein Feuer, dar\u00fcber werden wir die Eier kochen und sie dann anmalen. Heute Nacht wird nicht geschlafen, sondern gearbeitet.\u201c<br>Jan, der K\u00fcchenjunge, hatte genug geh\u00f6rt. Leise schlich er davon. Er war ganz aufgeregt. Da hatte er doch tats\u00e4chlich die Osterhasen entdeckt! Jedes Jahr in der Osterzeit hatte er nach ihnen gesucht, aber nie einen gefunden. Er ging zur\u00fcck und dachte dabei an die vielen Eier, die die Hasen nun kochen und bemalen w\u00fcrden. Er dachte an Elsa und ihr Wunderei, und auf einmal fiel ihm Prinzessin Hilda ein. Wie sch\u00f6n w\u00e4re es, wenn sie morgen Elsas Wunderei finden und zum Fr\u00fchst\u00fcck verspeisen w\u00fcrde. Dann k\u00f6nnte sie endlich wieder lachen und fr\u00f6hlich sein. Aber wie sollte er es anstellen, dass sie das Ei fand?<br>Die Sonne war schon untergangen, der Mond stand rund und hell am Himmel und es war ganz still im Schlossgarten. Jan versteckte sich hinter einem dicken Apfelbaum und beschloss, die ganze Nacht wach zu bleiben, um im Morgengrauen die Osterhasen bei der Arbeit zu beobachten. Aber weil er m\u00fcde war, wurden seine Augen bald so schwer, dass er doch einschlief und erst erwachte, als die ersten Sonnenstrahlen seine Nase kitzelten und er es leise im Gras rascheln h\u00f6rte. Die Osterhasen! Da waren sie, acht Hasen \u2013 Mama, Papa und ihre sechs Kinder. Alle trugen ein K\u00f6rbchen mit Eiern und huschten geschwind mal hierhin, mal dorthin. Im Nu hatten sie die Eier hinter B\u00e4umen und Str\u00e4uchern, zwischen Blumen und Kr\u00e4utern, in den Ritzen zwischen den Steinen der Schlossmauer und in den Gem\u00fcsebeeten versteckt. Jan hielt nach Purzel Ausschau. Da war er! Er hoppelte geradewegs auf den Apfelbaum zu, hinter dem Jan sa\u00df! Zum Gl\u00fcck war der Baum so dick, dass Jan sich um seinen Stamm herum auf die andere Seite schleichen konnte. Puh, das war nochmal gut gegangen! Das Hasenkind rannte zu seinen Eltern zur\u00fcck, die schon am Gartentor mit ihren leeren K\u00f6rbchen warteten und dann vergn\u00fcgt davonh\u00fcpften.<br>Nun musste sich Jan beeilen. Bald w\u00fcrden die Schlossbewohner erwachen und nicht lange danach die Ostereiersuche beginnen. Purzel hatte mehrere Eier aus seinem K\u00f6rbchen versteckt, aber das Wunderei hatte er doch tats\u00e4chlich hinter den dicken Apfelbaum gelegt. Welch ein Gl\u00fcck! Jan erkannte es genau. Es war wundersch\u00f6n bunt bemalt, seine Schale aber hatte ihren goldenen Glanz behalten. Jan nahm das Ei, verbarg es unter seiner Jacke und lief ins Schloss zur\u00fcck. Da kam ihm schon der Koch entgegen. \u201eWo warst Du, Jan?\u201c, rief er barsch. \u201eDu solltest doch in der K\u00fcche helfen, das Fr\u00fchst\u00fcck zu bereiten.\u201c \u201eEntschuldige, bitte\u201c, sagte Jan. \u201eIch konnte heute Nacht nicht schlafen. Da bin in den Garten gegangen und irgendwann unter dem Apfelbaum pl\u00f6tzlich eingeschlafen. Es tut mir leid.\u201c \u201eGib zu, du wolltest den Osterhasen finden\u201c, lachte da der Koch. \u201eWeil heute Ostern ist, will ich dir verzeihen. Aber nun lauf und hol dir ein Gef\u00e4\u00df f\u00fcr deine Eier.\u201c<br>\u201eFrohe Ostern!\u201c, ert\u00f6nte es bald von allen Seiten. Der K\u00f6nig und die K\u00f6nigin mitsamt den Dienern und Dienerinnen des Schlosses versammelten sich nach und nach mit ihren K\u00f6rbchen, Sch\u00fcsseln oder anderen Gef\u00e4\u00dfen im Vorraum des Schlosses, um sich gemeinsam auf die Ostereiersuche zu begeben. Heute waren sie alle gleich, ob K\u00f6nig oder Diener, und sie lachten und freuten sich. Nur Prinzessin Hilda nicht. Die stand zwischen ihren Eltern und machte ein langes Gesicht. \u201eFrohe Ostern\u201c, sagte auch sie, weil es sich so geh\u00f6rte, doch es klang eher wie \u201eTraurige Ostern!\u201c<br>Aber das k\u00fcmmerte niemand. Der Hofmusiker blies in sein Horn zum Zeichen, dass die Suche beginnen konnte, das gro\u00dfe Schlosstor wurde ge\u00f6ffnet und die ganze Gesellschaft str\u00f6mte hinaus in den Garten. Es dauerte lange, bis ihre Gef\u00e4\u00dfe voll mit bunten Eiern waren, und wieder ert\u00f6nte das Horn zum Zeichen, dass die Suche nun beendet war.<br>Auch Jans Sch\u00fcssel war voller Eier, und dazwischen lag das Wunderei, das er heimlich unter seiner Jacke hervorgeholt und dazugelegt hatte. Jan sah sich nach der Prinzessin um. Ganz alleine lief sie daher, ihr Gesicht war traurig, sie hatte kein einziges Ei in ihrem Korb.<br>Im Speisesaal hatten einige Diener bereits morgens in der Fr\u00fche eine gro\u00dfe Tafel gedeckt und mit bunten Fr\u00fchlingsblumen und Osterbasteleien geschm\u00fcckt. Riesige mit Marzipan- und Schokoladeneiern verzierte Osterkuchen standen darauf, K\u00f6rbe mit Osterbrot und Sch\u00e4lchen mit Butter und Marmelade. Alle setzten sich nun hin und stellten ihre Gef\u00e4\u00dfe mit den Eiern vor sich. Ganz oben am Tisch nahmen der K\u00f6nig und die K\u00f6nigin Platz, neben der K\u00f6nigin Prinzessin Hilda und dann alle Diener und Dienerinnen des Schlosses. Aber was war das? In Hildas Gef\u00e4\u00df lag auf einmal ein Ei. Keiner hatte gemerkt, wie Jan es ihr auf dem Weg in den Speisesaal hineingelegt hatte.<br>Der K\u00f6nig er\u00f6ffnete nun das Osterfr\u00fchst\u00fcck mit einem Tischgebet, sie sangen gemeinsam ein Osterlied, und dann wurde das frisch gebackene Osterbrot herumgereicht und Butter zum Schmieren. Nun nahm jeder ein Osterei aus seinem Gef\u00e4\u00df, und es wurde ganz ruhig, bis der K\u00f6nig noch einmal \u201eFrohe Ostern\u201c rief. Alle antworteten \u201eFrohe Ostern\u201c und dotzten nun gleichzeitig die Eier auf ihren Tellern an. So war es im Schloss seit Hunderten von Jahren Brauch. Jetzt wurden die Eier gepellt und dabei geredet, gelacht und gescherzt, und alle freuten sich und lie\u00dfen es sich schmecken. Widerwillig und nur weil ihre Eltern es von ihr verlangten, pellte auch die Prinzessin ihr Ei. Jan sa\u00df am anderen Ende des Tisches und beobachtete sie. Das Wunderei! W\u00fcrde es Hilda verwandeln?<br>Da, schon beim ersten Bissen hellte sich das Gesicht der Prinzessin auf. \u201eLecker!\u201c, rief sie. Und noch einmal: \u201eLecker! So etwas K\u00f6stliches habe ich noch nie gegessen\u201c. Sie biss wieder in das Ei und a\u00df es ratzeputz auf. Da wurde es mucksm\u00e4uschenstill im Saal und alle schauten erstaunt auf die Prinzessin. \u201eIst das heute ein sch\u00f6ner Tag\u201c, rief sie. \u201eIch habe euch noch gar nicht richtig \u201eFrohe Ostern\u201c gew\u00fcnscht. Frohe Ostern, Mama und Papa! Frohe Ostern, liebe Leute! Heute wollen wir lachen und fr\u00f6hlich sein.\u201c Und da fing sie an zu lachen &#8211; und lachte und lachte und konnte gar nicht aufh\u00f6ren zu lachen. Und alle, alle lachten mit und giggelten und gackelten und kicherten und feixten und glucksten um die Wette. Welch eine Fr\u00f6hlichkeit herrschte im K\u00f6nigssaal! Bald darauf erhoben sich die Musikanten, holten ihre Instrumente herbei und spielten auf, und alle sangen und tanzten miteinander. Solch ein lustiges Osterfest hatte das Schloss nie erlebt, und sie feierten bis zum Morgengrauen.<br>Vielleicht fragt ihr nun, wo eigentlich der Ring hingeraten war, den die Prinzessin im Winter verloren hatte? Nun, eine Elster hatte ihn im Schlosspark im Schnee gefunden und in ihr Nest getragen. Da liegt er wahrscheinlich immer noch. Wenn ihr wollt, k\u00f6nnt ihr ihn ja suchen. Aber ich glaube, dass das gar nicht n\u00f6tig ist. Denn viel schlimmer als ihren Ring zu verlieren war es ja f\u00fcr die Prinzessin, ihre Fr\u00f6hlichkeit zu verlieren, und die hat sie nun wieder. Welch ein Gl\u00fcck!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es lebte einmal ein Bauer, der hie\u00df Frieder. 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